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25.09.2016  |  26. Lauf durch das schoene Alstertal  |  Hamburg

Der schönste in Hamburg?
[von Bernd Hegemann]
Mein lieber Freund Jan lag mir schon seit längerem in den Ohren. "Das ist der schönste Lauf in Hamburg", "mein absoluter Favorit", "jedes Mal gerne wieder". Grrr. Ich war schon zwei Mal angemeldet und musste immer wegen einer Herbsterkältung absagen. Und einmal, als ich fit war, da war die Anmeldung schon geschlossen, weil der Lauf ja soo begehrt ist. Dieses Jahr hatte ich die Erkältung vorgezogen und war bereit, mir mein eigenes Urteil zu bilden.

In Klein Borstel angekommen präsentierte sich uns Kaiserwetter. Anfänglich noch etwas kühl bei 14°C sollte im Laufe des Tages bei stahlblauem Himmel die Quecksilbersäule bis auf 23°C hochklettern. Jan und ich checkten schnell ein, also die Startnummer abgeholt und die Sporttaschen abgegeben. Danach liefen wir uns ein bisschen warm und drückten uns auf dem Sportplatz rum, wo wir die gymnastizierende Läuferschaar beobachteten. Ich halte mich tunlichst fern von solchen Angeboten. Schnell macht man eine ungewohnte Bewegung mit und zack, wars das mit dem Lauf. Besser nicht.

Nachdem die Cup-Läufer mit 10minütiger Verspätung aufgrund einer liegengebliebenen S1 auf die Reise geschickt wurden, kletterten wir in den Startkanal. Langweilig war es nie. Nachdem die Gymnastik beendet war, fiel unser Augenmerk auf das Team vom NDR, das für das Abendjournal eine Reportage drehte. Als sich alle Halbmarathonis an der Startlinie versammelt hatte, wurden wir sogar genötigt, 2x "Guten Abend Hamburg" in die Kamera zu brüllen. Ich hoffte, dass mir die Luft am Ende nicht fehlen würde.

Gegen 10:30 Uhr machten wir uns dann auf die Verfolgung der Halbmarathonis aus der Cup-Wertung. Dank einer guten Positionierung im Starterfeld und eines schnellen Antritts im Stadion konnten wir von Anfang an frei laufen. Von nun an sollte es für längere Zeit flussaufwärts auf dem Alsterwanderweg an der mäandernden Alster lang gehen. Die Bodenbeschaffenheit war durchweg gut. Obwohl auf Naturwegen gelaufen wurde, waren diese bis auf wenige Ausnahmen so, dass man problemlos laufen lassen konnte.

Nach einem flotten ersten Kilometer pendelte sich das Tempo knapp unter 5 Minuten ein und der in Verzückung geratene Jan wiederholte gebetsmühlenartig "ach ist das schön". Und soweit ich das bis zu diesem Zeitpunkt nachvollziehen konnte, stimmte ich ihm zum. Doch da die Strecke bis Kilometer 5 ganz leicht anstieg, merkte ich schon bald, dass ich die Konversation besser einstellen sollte. (Kilometer 5 in 23:59 Min.)

Es folgte ein kaum merkliches Gefälle. Kaum merklich deshalb, weil immer mal wieder kleine Huppel zu überwinden waren. Kurz vor Kilometer 7 wartete die erste Verpflegungsstelle auf uns. Vorher noch ein Gel verdrückt, mit Wasser nachgekippt und weiter ging es. Ein Läufer in roter Shorts schnackte uns an, auf welche Zielzeit wir laufen wollten. Ich nannte ihm meinen Zeitkorridor zwischen 1:45 und 1:47. Da er wohl auf 1:45 laufen wollte, überholte er uns kurz danach. Ich nannte ihn intern den "Retrorunner", weil er in der Hose so aussah, wie ich damals in den 80ern beim Sportunterricht.

Ab Kilometer 8 wusste ich vom Studium des Höhenprofils, dass es nun anspruchsvoller wurde. Ab dem Hohenbuchenpark galt es, die Mellingburger Hügel zu meistern. Mittlerweile waren wir auf das Ende der vor uns gestarteten Läufer aufgelaufen und konnten unser Überholerprogramm starten. Jan signalisierte, dass das Tempo wohl ein bisschen zu hoch für seinen Trainingszustand sei und ließ sich etwas zurückfallen.

Ich vermutete ein taktisches Spielchen, denn beim nächsten Gefälle flog er an mir vorbei und hatte schnell 50 Meter Vorsprung rausgelaufen. Später verneinte Jan allerdings meine Nachfrage bzgl. seiner Taktik und sagte, er sei einfach nur gut im Fluss gewesen. Ich ließ ihn ziehen und konzentrierte mich auf die anstehenden Steigungen. An der Mellingburger Schleuse vorbei liefen wir rechts ab, um uns den Mellingstedter Stieg hochzukämpfen. War teilweise anspruchsvoll, bei Gegenverkehr noch die langsameren zu überholen.

Oben angekommen war der höchste Punkt der Strecke erreicht, wo eine kleine Schleife durch ein Wohngebiet gelaufen werden musste. Hier stoppte ich bei Kilometer 10 eine 48:57 Min. Das folgende Stück, also den Stieg wieder runter und dann vor der Schleuse rechts fand ich besonders schön, weil die Sonne hier so herrlich reinfiel. Danach war Konzentration angesagt, denn zielmich steil führte der Weg abwärts Richtung Hohenbuchenteiche.

Hier hatte ich den "Retrorunner" wieder vor mir und langsam, aber stetig schob ich mich an ihm vorbei durch den Hohenbuchenpark. Leider konnte ich mich hier überhaupt nicht mehr an den BSV-Lauf erinnern, den ich 2012 bestritten hatte. Irgendwann schob sich der "Retrorunner" wieder vorbei und schien sich erholt zu haben. Ich klemmte mich dahinter und ließ mich ein wenig ziehen. Das ging bis etwa Kilometer 14. Da wurde er langsamer und als ich vorbeilief, versuchte ich ihn zum mitlaufen zu motivieren. "Einen Kilometer versuche ich es noch" raunte er mir zu.

Wie vorhergesagt schaffte er es noch bis Kilometer 15, danach wünschte er mir alles gute und ließ abreißen. Auf der Uhr stand eine 1:13:49 Std., aber die Kraft bzw. Kondition ließ nun auch bei mir nach. So richtig am Ende fühlte ich mich, als eine der letzten fiesen Rampen bei Kilometer 16 überwunden wurden. Ich versuchte einfach nur schadlos weiterzulaufen, als ich einen Kilometer später die Läufer vor mir eine weitere Rampe hochkraxeln sah. Oh nein, nicht schon wieder.

Dafür wurde dieser Abstecher aber mit einer weiteren Getränkestelle und einem tollen Blick auf das Torhaus belohnt. Nur kurz war das Flachstück inklusive Kopfsteinpflaster durch die Parkanlagen und schnell waren wir wieder auf dem altbekannten Alsterwanderweg. Ab jetzt wurden die Kilometer rückwärts gezählt. Bei "nur noch 3" hatte ich eine 1:30 und ein paar kaputte auf der Uhr. Während ich in mich reinhorchte war mir klar, dass ich es nicht schaffen sollte, die 1:45 zu knacken. Doch dafür lag ich ziemlich sicher in meinem anvisierten Korridor.

Demzufolge schleppte ich mich weiter über die Strecke, querte die Alster am UHC Sportplatz, wo die Lütten immer noch eifrig Hockey spielten. Vorteilhaft war, dass man trotzdem immer noch Leute überholte. Mich motivierte es, das Tempo trotz des konditionellen Zerfalls nicht so sehr sacken zu lassen (ich meine damit, dass ich am liebsten gegangen wäre ;-).

Einmal zurück über eine Brücke auf die andere Alsterseite, da waren es "nur noch 2". Die Strecke zog sich wie Kaugummi. Die wenigen sonnigen Teilstücke, die ich auf dem Hinweg kaum beachtet hatte, merkte ich durch die steigende Temperatur besonders. Trotzdem weiterlaufen. "Nur noch 1 km". Ich hörte schon das Geschrei vom Zieleinlauf, musste aber erst noch eine letzte Alsterschleife hinter mich bringen. Wäre schön gewesen, noch ein bisschen Puste zu haben, aber ich Blödmann musste ja alles beim NDR rausposaunen.

Dann war es endlich geschafft. Links im Augenwinkel den Sportplatz erspäht, die Brücke zum unterqueren anvisiert und mit Schwung Richtiung Ziel gedriftet. Meine Zeit blieb bei glatten 1:46 Std. stehen. Punktlandung. Jan erwartete mich bereits und verbuchte einen Vorsprung von 3:20 Minuten. Sauber, und das ohne nennenswertes Training. Vielleicht sollte ich mir auch einen Hund anschaffen ;-)

Nun aber zurück zu meinen einleitenden Worten: schön ist ja relativ und im Auge des Betrachters liegend. Auf jeden Fall ein klares "ja", dass es sich um einen der zwei schönsten Läufe in Hamburg handelt. Ich persönlich würde ihn aber immer im gleichen Atemzug mit dem FANATIC-Halbmarathon des Blankeneser Heldenlaufs nennen wollen, da mir die Strecke ebenfalls besonders gut gefällt.


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Temperaturverlauf (Anklicken zum Vergrößern)




Streckenkarte (Anklicken für Details)


Daten von OpenStreetMap - Veröffentlicht unter CC-BY-SA 2.0


Höhenprofil (Anklicken zum Vergrößern)

Wetter und Boden
[von Bernd Hegemann]
20°C, sonnig, Untergrund gemischt, trocken
Ergebnis(se) in 2016
Halbmarathon
96. Bernd Hegemann   SG Gruner+Jahr   1:46:01 Std.   (5:02) 27.M45   18 % /33 %   
Ergebnisse pro Distanz/Disziplin in allen Jahren
Halbmarathon
  Bernd Hegemann   Eintracht Hamm   1:25:16 Std.   (4:02) 9.MHK   56 %   (pers. Bestleistung) 1989: 10. Lippborger Weihnachtslauf (Lippetal-Lippborg)
290. Bernd Hegemann   LG Deiringsen   1:27:16 Std.   (4:08) 66.MHK   38 % /55 %   1992: Hammer Serie (III) (Hamm)
16. Bernd Hegemann   SG Gruner+Jahr   1:37:21 Std.   (4:37) 6.M45   29 % /60 %   2013: 28. Tangendorfer Volkslauf (Tangendorf)
55. Bernd Hegemann   CGHH   1:41:37 Std.   (4:49) 14.M40   33 % /36 %   2009: 11. Buchholzer Stadtlauf (Buchholz)
390. Bernd Hegemann   LG Deiringsen   1:42:30 Std.   (4:52) 58.MHK   70 % /84 %   1996: 22. Hammer Serie (III) (Soest)
31. Bernd Hegemann   CGHH   1:43:23 Std.   (4:54) 7.M40   30 % /58 %   2012: 37. Volkslauf im Klövensteen (Pinneberg-Waldenau)
59. Bernd Hegemann   Marathon Soest   1:45:14 Std.   (4:59) 7.M30   47 % /54 %   2001: 26. Bibertal-Lauf (Warstein-Rüthen)
165. Bernd Hegemann   SG Gruner+Jahr   1:45:15 Std.   (4:59) 41.M45   15 % /23 %  FANATIC-Strecke 2014: 12. Heldenlauf (Hamburg)
96. Bernd Hegemann   SG Gruner+Jahr   1:46:01 Std.   (5:02) 27.M45   18 % /33 %   2016: 26. Lauf durch das schoene Alstertal (Hamburg)
273. Bernd Hegemann       1:47:35 Std.   (5:06) 68.M40   21 % /29 %  FANATIC-Strecke 2012: 10. Heldenlauf (Hamburg (Blankenese))
36. Bernd Hegemann       1:48:19 Std.   (5:08) 4.M35   42 % /50 %   2007: 10. Barsbütteler Volkslauf (Barsbüttel)
1876. Bernd Hegemann   CGHH   1:49:26 Std.   (5:11) 228.M45   24 % /31 %   2016: 22. Hella Halbmarathon (Hamburg)
24. Bernd Hegemann   SG Gruner+Jahr   1:52:51 Std.   (5:21) 5.M45   6 % /10 %  FAN-Strecke 2016: 14. Blankeneser Heldenlauf (Hamburg)
59. Bernd Hegemann   SG Gruner+Jahr   1:57:02 Std.   (5:33) 9.M50   79 % /90 %   2019: 36. Straßenlauf-Cup (Langenrehm)
Ergebnisse im Internet
[von Bernd Hegemann]
Link zur Homepage
[von Bernd Hegemann]
 
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