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26.06.2016  |  22. Hella Halbmarathon  |  Hamburg

Kontrastprogramm
[von Bernd Hegemann]
Mit dem heutigen Wettkampf gab es ein erhebliches Kontrastprogramm zu meinen derzeitigen Trainingsläufen. Seit dem Umzug sind meine Laufrunden zu 70-80% auf unebenem Boden mit sehr viel Vegetation um mich rum. Nun erwartete mich Asphaltbelag, Häuserschluchten und rottenhaft auftretende Menschenmengen.

Körperlich fühlte ich mich wie "Nachbar Boateng". So wie er vor dem EM-Spiel gegen die Slowakei hatte auch ich mir bei einem Läufchen am Mittwoch eine Wadenverhärtung "gegönnt". Schon nach einem Kilometer machte der Muskel dicht, aber ich dachte, das läuft sich schon wieder raus. War aber nicht so. Nach weiteren vier Kilometern musste ich aufgrund der Schmerzen sogar eine Gehpause einlegen. Dabei gewann ich die Erkenntnis, das ganz langsames Laufen deutlich weniger weh tat als Gehen. Waren aber dummerweise noch zweienhalb Kilometer bis nach Hause.

Die Folgetage waren geprägt von schmerzlindernder Creme und Selbstmassagen, um die Verhärtung auszutreiben. Am Samstagmittag konnte ich bereits ein kleines lockeres Läufchen ohne größere Probleme überstehen, so dass ich für den Wettkampf wieder zuversichtlicher wurde. Zwar merkte ich die Wade noch, aber sie machte glücklicherweise nicht mehr dicht.

So stand ich dann am Sonntag um kurz vor 10 im Startgetümmel, lauschte teilnahmslos den Klängen von Hans Albers "Reeperbahn" (nicht meine Musik) und wartete darauf, endlich loslaufen zu können. Der angekündigte Countdown überraschte vermutlich alle. Ganz plötzlich hieß es "4-3-2-1" und die träge Masse setzte sich langsam in Bewegung. Ich brauchte etwa eineinhalb Minuten, um den blauen Teppich unter dem Startbogen zu passieren.

Danach ging es gleich in den Laufschritt, wobei erwartete Stau-Gehpausen glücklicherweise ausblieben. Das Wetter war übrigens richtig gut. Teilweise etwas warm. Aber im Schatten oder wenn mal eine leichte Brise aufkam, war es bei 18 bis 22°C aber recht angenehm. Ich versuchte ein lockeres Tempo zu finden und war überrascht, trotz der leichten Steigung auf der Königstraße einen 5er Schnitt zu erwischen. Ich merkte zwar einen leichten Druck in der Wade, aber sie ließ mich glücklicherweise in Ruhe laufen.

Nach dem Richtungswechsel am Altonaer Rathaus folgte ein schönes, weil schattiges Teilstück auf der Palmaille, sowie ein leichtes Gefälle auf der Breiten Straße zum Fischmarkt runter. Hier konnte man schön rollen lassen. Beim anschließenden "Anstiegchen" auf der Hafenstraße knautschte sich das Feld ordentlich zusammen, so dass es ganz schön eng wurde. Immer wieder sehnte ich mich nach meiner Trainingsrunde im Wald mit Vögelgezwitscher und keiner Menschenseele weit und breit.

Kurz nachdem das Stimmungsnest an den Landungsbrücken das erste Mal passiert wurde, ging es links ab die Helgoländer Allee hoch. Auch hier wurde es aufgrund der leichten Steigung recht eng, das Tempo fiel aber glücklicherweise nicht groß ab. Nach 5 Kilometern war die erste Runde abgeschlossen und es ging ein weiters Mal über die sündige Meile. Mein Schnitt hatte sich kaum verändert und hatte sich bei etwa 5:03 Min./km eingependelt.

Auch wenn man jetzt etwas freier laufen konnte, änderte sich meine Geschwindigkeit kaum. Ich versuchte weiterhin locker zu traben. Ein zweites Mal den Bogen über Königstraße, Palmaille und an den Landungsbrücken entlang. Dieses Mal auf der rechten Spur, die uns Richtung Baumwall an meinem Brötchengeber vorbeileiten würde. Michaela, die mich heute begleitete und supportete, überraschte ich komplett, da mein Tempo in meiner Zeitvorgabe so nicht vorgesehen war. Bei Kilometer 10 blieb eine 50:40 Min. stehen, also weiterhin ein Schnitt von etwas über 5 Min./km.

An der Elbphilharmonie und der Speicherstadt vorbei gab es deutlich weniger Schatten, so dass ich nun die Wärme und die bereits zurückgelegten Kilometer stärker spürte. Um dem Engergieverlust entgegenzuwirken hatte ich mir vorgenommen, mich im Wallringtunnel zu verpflegen. Aber bis wir den erreicht hatten dauerte es noch ganz schön lange. Gut, dass immer wieder mal ein Getränkestand vorbeikam.

Im Tunnel angekommen kramte ich ein Vanillegel und einen halben Amerikaner aus meiner Tasche. Schade, dass keine Getränke zur Verfügung standen. Musste ich den Amerikaner halt trocken runterwürgen. Gut dass nichts steckenblieb. Hätte auch vor Schreck passieren können, denn hinter mir begann eine Horde Läufer lauthals zu grölen, was sich im Tunnel ziemlich gruselig anhörte.

Wieder im Tageslicht angekommen streiften wir kurz die Binnenalster und waren schwuppdiwupp auf der Kennedybrücke. Diesen Teil kannte ich nur aus Berichten und fand es interessant, die entgegenkommenden Läufer beobachten zu können. Bislang kannte ich die Brücke nur von unten, da die Schwimmstrecke des Holsten bzw. Hamburg Cityman-Triathlons darunter herführte. Nachdem ich den Wendepunkt hinter mir hatte, entstand das untenstehende Bild, was mir so gut gefiel, dass ich es hier einmal in maximaler Seitenbreite zeigen möchte.


Kennedybrücke © entarmer/meine-sportfotos.de


Der nächste Streckenteil bis hinter Kilometer 15 kam mir noch vom 2014er Marathon bekannt vor. Ganz nett zu laufen mit schönem Blick auf die Außenalster. Mein Schnitt ging erwartungsgemäß auf den letzten 5 Kilometern etwas runter, war aber mit 5:18 Min./km für meine derzeitigen Verhältnisse immer noch überraschend zügig.

Nach dem Abzweig in den Schwanenwik ging es wunderschön entlang der Alster. Hier war ich vor 7 Jahren mit Michaela auf dem Rad zur Gemeinde gefahren, als uns das Feld der Führenden entgegenkam und ich den Wunsch entwickelte, hier irgendwann mal mitzumachen.

Etwa bei Kilometer 16 überholte mich Leo und fragte mich nach meiner Zielzeit. Glücklichreweise hatte ich das kurz vorher überschlagen und rechnete incl. eines zu erwartenden Kräfteverlustes degressiv mit einer 1:51 Std. Er meinte, er wollte versuchen die 1:50 Std. anzugreifen, also ließ ich ihn ziehen. Aber komischerweise wurde er kurz danach wieder langsamer (oder ich schneller?), so dass ich an ihm vorbeiziehen konnte.

Hinter Kilometer 17 ging es links ab auf die Sierichstraße. Hier konnte man sich für eine Straßenseite entscheiden, um entweder links unbehelligt zu laufen oder rechts mit Konfetti beglückt zu werden. Ich entschied mich als kopfgesteuerter lieber für die linke Variante.

Bei Kilometer 18 begann ich erneut zu rechnen, was mir zugegebenermaßen schwer fiel. Bei einem 5:30er Tempo würde es sehr sehr eng mit der 1:50 Std. werden. Und mehr als zum jetzigen Zeitpunkt wollte ich mich nicht quälen. War eh schon anstrengend genug, das aktuelle Tempo einigermaßen zu halten.

Als wir links auf die Maria-Louisen-Straße abbogen, driftete Leo wieder an mir vorbei. Ich versuchte mich hinten anzuhängen, merkte aber, dass ich nicht bereit war, sein Tempo zu laufen. Daher blieb ich in meinem Trott und ließ ihn diesmal wirklich ziehen.

Kilometer 19 in 1:38:17 Std. Oha, mit einem 5:30er Schnitt sollten die 1:50 Std. auch für mich machbar sein. Und ich lief ja aktuell schneller als 5:30 Min. Im Zick-Zack ging es um den oberen Zipfel der Außenalster. Kilometer 20 auf dem Harvesterhuder Weg. Ich hatte ein wenig die Orientierung verloren und hoffte nur, dass endlich die langersehnte und langgezogene Zielgerade in Sicht kam.

Ein letztes Mal links abgebogen erreichten wir endlich die Rothenbaumchaussee. Ein paar hundert Meter noch. Dann Kilometer 21 passiert, danach erst den roten und zum Schluss den hellblau-weißen Zielbogen. Piepsen um mich rum, Stoppuhr(en) gedrückt und endlich war die Quälerei vorbei. Hat ja mit 1:49:26 Std. prima geklappt, die 1:50 Std. zu unterbieten. War aber schon ein ganz schönes Stück Arbeit. Bleibt zu hoffen, dass mir die Wade den Lauf nicht allzu übel nimmt. Schaun mer mal...

Update 27.06.: Die Wade ist ganz schön maulig und mag mich im Moment gar nicht leiden....
Update 28.06.: Jetzt sind die Oberschenkel auch noch zickig und sympathisieren mit der Wade...
Update 30.06.: Nachdem ich gestern schön gedehnt habe sieht es besser aus. Die Wade ist wieder ganz artig :-)


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Streckenkarte


Daten von OpenStreetMap - Veröffentlicht unter CC-BY-SA 2.0


Höhenprofil

Wetter und Boden
[von Bernd Hegemann]
22°C, bewölkt, Wind leicht aus süd, Untergrund Asphalt, trocken
Ergebnis(se) in 2016
Halbmarathon
1876. Bernd Hegemann   CGHH   1:49:26 Std.   (5:11) 228.M45   24 % /31 %   
Ergebnisse zu dieser Veranstaltung in allen Jahren
Halbmarathon
550. Bernd Hegemann       1:19:31 Std.   (3:46) 119.M35   95 % /96 %  Inliner (pers. Bestleistung) 2004
1876. Bernd Hegemann   CGHH   1:49:26 Std.   (5:11) 228.M45   24 % /31 %   2016
Ergebnisse pro Distanz/Disziplin in allen Jahren
Halbmarathon
  Bernd Hegemann   Eintracht Hamm   1:25:16 Std.   (4:02) 9.MHK   56 %   (pers. Bestleistung) 1989: 10. Lippborger Weihnachtslauf (Lippetal-Lippborg)
290. Bernd Hegemann   LG Deiringsen   1:27:16 Std.   (4:08) 66.MHK   38 % /55 %   1992: Hammer Serie (III) (Hamm)
16. Bernd Hegemann   SG Gruner+Jahr   1:37:21 Std.   (4:37) 6.M45   29 % /60 %   2013: 28. Tangendorfer Volkslauf (Tangendorf)
55. Bernd Hegemann   CGHH   1:41:37 Std.   (4:49) 14.M40   33 % /36 %   2009: 11. Buchholzer Stadtlauf (Buchholz)
390. Bernd Hegemann   LG Deiringsen   1:42:30 Std.   (4:52) 58.MHK   70 % /84 %   1996: 22. Hammer Serie (III) (Soest)
31. Bernd Hegemann   CGHH   1:43:23 Std.   (4:54) 7.M40   30 % /58 %   2012: 37. Volkslauf im Klövensteen (Pinneberg-Waldenau)
59. Bernd Hegemann   Marathon Soest   1:45:14 Std.   (4:59) 7.M30   47 % /54 %   2001: 26. Bibertal-Lauf (Warstein-Rüthen)
165. Bernd Hegemann   SG Gruner+Jahr   1:45:15 Std.   (4:59) 41.M45   15 % /23 %  FANATIC-Strecke 2014: 12. Heldenlauf (Hamburg)
96. Bernd Hegemann   SG Gruner+Jahr   1:46:01 Std.   (5:02) 27.M45   18 % /33 %   2016: 26. Lauf durch das schoene Alstertal (Hamburg)
273. Bernd Hegemann       1:47:35 Std.   (5:06) 68.M40   21 % /29 %  FANATIC-Strecke 2012: 10. Heldenlauf (Hamburg (Blankenese))
36. Bernd Hegemann       1:48:19 Std.   (5:08) 4.M35   42 % /50 %   2007: 10. Barsbütteler Volkslauf (Barsbüttel)
1876. Bernd Hegemann   CGHH   1:49:26 Std.   (5:11) 228.M45   24 % /31 %   2016: 22. Hella Halbmarathon (Hamburg)
24. Bernd Hegemann   SG Gruner+Jahr   1:52:51 Std.   (5:21) 5.M45   6 % /10 %  FAN-Strecke 2016: 14. Blankeneser Heldenlauf (Hamburg)
59. Bernd Hegemann   SG Gruner+Jahr   1:57:02 Std.   (5:33) 9.M50   79 % /90 %   2019: 36. Straßenlauf-Cup (Langenrehm)
Ergebnisse im Internet
[von Bernd Hegemann]
Link zur Homepage
[von Bernd Hegemann]
 
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