
Da die BSV-Crosslaufserie eine kleine Weihnachtspause eingelegt hatte und ich noch Lust auf konkurrenzorientierte Leibesertüchtigung verspürte, habe ich mich für den Jahresausklang bei einem kleinen Silvesterlauf in der erweiterten Nachbarschaft angemeldet. Der SVE in Eidelstedt vermeldete mit dem 5. Silvesterlauf ein kleines Jubiläum und integrierte den Lauf in ihre zum dritten Mal stattfindende Winterlaufserie, bestehend aus vier Läufen in den Kategorien Big Series und Small Series.
Die Big Series setzt sich aus zwei 10ern, einem 15er und einem Halbmarathon zusammen, während in der Small Series zwei 5er und zwei 7,5er im November, an Silvester, im Januar und im Februar angeboten werden. Mir selbst reichte die Teilnahme an "meiner" Crosslaufserie, weswegen ich mir nur punktuell den Start bei diesem einen Lauf ausgewählt hatte. Wobei ich zugeben muss, dass ich mit der Teilnahme bei der kompletten Serie durchaus liebäugele. Vielleicht demnächst mal in Gänze.
Das Wetter am heutigen Tag war durchwachsen. Auf der Hinfahrt regnete es noch, aber zum Warmlaufen bei knapp 4°C hatte es aufgehört. Nachdem ich mich im Auto umgezogen hatte, hörte ich es aber wieder prasseln und stiefelte im Regen rüber zum Startbereich. Glücklicherweise gab es aber zwei, drei Unterstände und bis zum Start um 9:50 Uhr war der Schauer dann wieder vorbei.
Ein paar Minuten verzögerte es sich, weil die vorab gestartete Youth Series (U8 bis U12) noch nicht beendet war. Um 9:54 Uhr knallte es dann für uns und gleich nach den ersten 15 Metern machte vor mir eine Läuferin den Borkenkäfer, weil sie den rutschigen Untergrund unterschätzt hatte. Da muss sich wohl über Nacht eine Eisschicht gebildet haben, die nun von Regen bedeckt war.
Was danach passierte, hatte ich auch noch nie erlebt. In der Kurve direkt nach dem Start war ebenfalls verstecktes Eis, so dass sich vier weitere Läufer aufs Brett legten. Ich verringerte mein Tempo ein wenig und wich auf den äußeren Radius aus, so dass ich unbehelligt vorbeikam. Die Gestürzten rappeleten sich übrigens schnell auf und rannten weiter, als wenn nichts passiert wäre.
Ich selbst versuchte auf dem flachen Kurs mein Tempo zu finden. Das klappte recht gut, da die Strecke ausgesprochen einfach zu laufen war. Neben dem flachen Terrain gab es auch wenig Ecken und Kanten, die den Rythmus unterbrachen. Ich kannte die Veranstaltung aus
2023, als ich hier 10 Kilometer zum Jahresausklang gelaufen war und die am Anfang und Ende identisch verlief.
Das erste Kilometerschild gefühlt 50m hinter mir lassend piepste meine Uhr bei 4:27 Minuten und ich merkte schon, dass ich heute früh nicht in Bestform unterwegs war. Außerdem kam grad wieder ein Schauer runter, was die Sache nicht angenehmer machte. Um wieder zu Atem zu kommen musste ich das Tempo ein klein wenig runterregeln.
Im Bogen ging es über den Alpenrosen- und Schlüsselblumenweg zur zweiten Kilometermarke, die Anfangs der Lohkampstraße auf uns wartete. Ich war mittlerweile allein unterwegs, ca. 20 bis 30 Meter vor mir lief eine junge Läuferin, die mich kürzlich überholt hatte, die ich aber aufgrund meiner Sauerstoffnot nicht einholen konnte. Ich verwaltete weiterhin die mir zur Verfügung stehenden Kapazitäten und registrierte Kilometer 2 in 4:42 Minuten.
Ein 13jähriger HSV-Läufer überholte mich und schloss sich mit der Läuferin zusammen und ich beobachtete mit gebührendem Abstand, wie sie rechts weiter in den Wiesenacker laufen wollten, obwohl die Streckenmarkierung eindeutig links in den Torfweg zeigte. Aber sie merkten ihren Faux-Pas rechtzeitig und drehten wieder um.
So hatte ich ohne großes Zutun fast wieder aufgeschlossen, kämpfte aber mehr mit mir selbst als gegen andere. Bald war auch Kilometer 3 auf dem Torfweg erreicht, die Splitzeit stand bei 4:45 Minuten. Ich hatte noch gar nichts von meiner Zielzeit gesagt. Wenn ich gut drauf gewesen wäre, hätte ich versucht, die 23 Minuten zu attackieren. Aber in meiner jetzigen Konstitution begnügte ich mit der zweiten Option, meine Zeit von
Anfang November, gelaufen in 23:46,8 Minuten im Rantzauer Forst, zu unterbieten.
Am Ende des Herzblumenwegs wartete die einzige nennenswerte Erhebung des Tages in Form einer neunstufigen Treppe mit anschließendem 90 Grad Knick auf den Magnolienweg auf uns. Ok, so schlimm war sie nicht und ich versuchte, mich nicht weiter aus dem Takt bringen zu lassen. Nach ein paar Schlenkern waren wir wieder auf dem Alpenrosenweg und passierten die Kilometermarke 4, die zum ersten Mal exakt mit meiner Zeitnahme übereinstimmte: 4:49 Minuten.
Ich fühlte mich hier schon stehend k.o. und sehnte das Ende herbei. Aber ein bisschen lag noch vor uns. Ein wenig irritiert war ich, als es vom Alpenrosenweg in den Krummen Kamp abging, aber ich erinnerte mich ganz schwach, dass das vor zwei Jahren ebenfalls der Fall war und nahm es letztendlich hin.
Ich kann noch nicht einmal behaupten, dass ich froh war, endlich auf den Weg zum Stadion einzubiegen, so platt fühlte ich mich. Aber der junge HSV-Läufer muss ähnlich vernebelt gewesen sein, weil er vor mir einen kleine Böschung hochlief, die er eigentlich gar nicht hätte hochlaufen müssen.
So kam ich auf der Aschenbahn angekommen gut 200 Meter vor dem Ziel an ihn heran und konnte ihn sogar überholen. Das hätte ich nicht gedacht. Um ihm das potentielle Überholen zu erschweren nutzte ich die "gefährliche" Innenbahn mit den Eispfützen, ohne dabei wegzurutschen. Die Uhr piepste mit 4:39 Minuten kurz vor Ende der Kurve und ich konnte aufgrund mangelnder Gegenwehr die letzten paar Meter unbehelligt überstehen.
Oha, dass war echt pumpig zum Ende. Ich brauchte eine ganze Zeit, bis ich wieder genug Luft reinbekam. Daher taumelte ich ein wenig benommen zum Auto und freute mich, die Zeit aus November um gut 12 Sekunden unterboten zu haben: 23:34 Minuten.
Und zuhause angekommen gab es den zweiten Knaller, als ich die Ergebnisliste studierte und wohlwollend zur Kenntnis nahm, dass ich in Abwesenheit gleichaltriger Konkurrenz den Klassensieg in der M55 mitgenommen hatte. Sehr schön :-)
Streckenkarte
Route map for 3. SVE-Winterlaufserie (Lauf 2) by Bernd Hegemann on plotaroute.com