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04.02.2018  |  5. Sibirien Marathon  |  Elmshorn

Kurze Wege
[von Bernd Hegemann]
In Elmshorn gibt es eine Straße, ein Restaurant und dahinter einen kleinen See. Alle hören auf den Namen Sibirien. Und Christian Hottas, seines Zeichens König der multiplen Marathonläufer, richtete dort mit freundlicher Genehmigung der Familie Thormählen bereits zum fünften Mal den gleichnamigen Marathon aus. Ein kleines Jubiläum also.

Ich hatte mir diesen Lauf im Vorwege rausgepickt, um ein längeres Läufchen am Wochenende zu machen. Allerdings war mehr geplant, vielleicht die Halbmarathondistanz zu absolvieren und möglicherweise noch ein paar Runden ranzuhängen. Aber die komplette Distanz schien mir doch zu gewagt. Denoch, der Gedanke schwirrte mir immer mal wieder durch den Kopf.

Die äußeren Bedingungen waren eher suboptimal, aber was will man bei einem Lauf Anfang Februar anderes erwarten. Das Quecksilber bewegte sich zwischen -1°C zu Beginn bis hoch auf 2°C am Ende. Wenigstens konnte man sich im Restaurant vorher schön aufwärmen und z.B. noch einen Tee oder Kaffee trinken.

Das Restaurant wird übrigens geführt von der bereits oben genannten Familie Thormählen. Als ich vor dem Lauf noch unschlüssig am Eingang stand, öffnete mir Chefin Heike sofort, lud mich ein reinzukommen und bot mir einen Platz und etwas zu trinken an. Ich war sehr beeindruckt von ihrer Herzlichkeit und Gastfreundschaft.

Gegen zehn Uhr versammelten sich alle an der Startlinie und nachdem Christian ein paar Begrüßungsworte gesprochen hatte, richteten sich alles Augen auf Heike. Sie lud alle Läuferinnen und Läufer zum anschließenden Essen ins Restaurant ein (was spontan einem warmen Dankes-Applaus auslöste), wünschte uns einen guten Lauf und drückte anstelle eines Startschusses auf eine Druckluft-Fanfare, um uns auf die Reise zu schicken.

Runde 1 bis 10
Die Strecke um den See misst laut Christian 723,8 Meter (Stichwort "Kurze Wege" ;-). Sie besteht aus Naturwegen mit häufigem Singletrail-Charakter und war zu Beginn ganz prima zu laufen. Wenn man nicht überholen musste, was im Startgedrängel und auf den ersten Runden schon mal der Fall sein konnte. Dann hieß es ausweichen auf unebenes Terrain. Aber ich war noch frisch und motiviert, dass es mir nichts ausmachte. Ich betrachtete die ersten 10 Runden als Einrollen und -gewöhnen. Ein Tempo von 6 Minuten/Kilometer bedeutete einen Rundensplit von etwa 4:20 Minuten. Meine Durchganszeiten hielten sich im Bereich zwischen 4:13 und 4:26.

Runde 11 bis 20
So langsam kannte ich die Strecke und hatte mich eingelaufen. Trotz der vielen und häufig wiederkehrenden Ereignisse war es nie langweilig, weil man immer wieder von schnelleren überholt wurde oder selbst überholen konnte. Zwischenzeitlich hatte sich eine Trommler-Combo aufgebaut, die für ordentlich Stimmung sorgte und die man über den ganzen See hinweg hören konnte. Ich beneidete sie ein wenig, weil sie schön trocken unter ihrem grünen Pavillion stehen konnten, während wir uns durchs Schneetreiben kämpften. Außerdem traf man immer wieder auf die Kollegen "von der Bewegtbild-Fraktion", sprich vom NDR, die Material für eine kleine Reportage über diesen Lauf sammelten. Der Rundensplit war einen Hauch langsamer geworden.

Runde 21 bis 30
Ich arbeitete mich an die Halbmarathonmarke heran, die bei Runde 30 erreicht war. Die Durchgangszeit betrug hierfür ca. 2:13 Stunden, der Rundensplit sank dank nachlassender Kräfte erwartungsgemäß auf 4:28 bis 5:12.

Runde 31 bis 40
Wirklich viel interessantes habe ich auf diesem Teil nicht erlebt. Bis auf eines: kurz vorm Einnicken wurde ich auf Runde 39 schlagartig wachgerüttelt. Mein rechter Fuß blieb durch Konzentrationsmangel meinerseits an einer Baumwurzel hängen und es schlug mich der Länge nach hin. Spontan entschied sich meine rechte Wade zu verkrampfen, die ich gleich am nächsten Baum wieder entspannen durfte. Zum Glück war nix passiert alles noch mal gut gegangen. Rundenschnitt: 4:51 bis 5:37.

Runde 41 bis 50
Die Streckebeschaffenheit wurde von Runde zu Runde immer schlechter und passte sich somit meinem desolaten Zustand perfekt an. Gut fand ich, dass ich problemlos ein langsames Tempo weiterlaufen konnte. Das kenn ich von Marathons in "jungen Jahren" überhaupt nicht. Da war ich immer am Anschlag unterwegs, bis es nicht mehr ging. Heute konnte ich Speed rausnehmen und es lief weiter. Und da es mir weitestgehend gut ging, entschied ich mich, nach den 50 Runden zu schauen, was noch machbar war. Rundenschnitt: 5:18 bis 5:52.

Runde 51 bis 59
Immer langsamer schleichend (5:32 bis 6:08) schleppte ich mich um den See. Jetzt, wo die Strecke merklich leerer geworden war, konnte man sehr viel besser navigieren. Das war auch ansolut notwendig, denn meine Überholmanöver glichen mehr dem Elefantenrennen von LKW-Fahrern auf der Autobahn und brauchten immer mehr Zeit. Mal eben vorbeihuschen war nicht möglich.

Gefühlt jede zweite oder dritte Runde überholte ich Christian und seinen Kumpel Helmut. Irgendwann fragte ich ihn, der wievielte Marathon es denn heute sei und er antwortete: 2.641. Beeindruckend.

Als ich dann auf Runde 58 angekommen war, konnte ich es fast gar nicht glauben, das Ding in Kürze überstanden zu haben. Schnell noch den Fotoapparillo aus dem Auto gefischt, um die letzte Runde zu dokumentieren. Die Endzeit von 4:55:18 Stunden war absolut sekundär und größtenteils der Kälte, den Schneeschauern und dem matschigen Untergrund geschuldet, aber trotzdem eine tolle Erfahrung für mich gewesen. Hoffentlich erholen sich die Beine gut, damit nichts nachbleibt.

Fazit: eine tolle Veranstaltung bei mir ums Eck (Stichwort "Kurze Wege" ;-), die ich wärmstens empfehlen kann. Allerdings nur für diejenigen, die bereit sind, eine flache, aber schwierig zu laufende Naturstrecke mit vielen Runden in Kauf zu nehmen. Ich bin ein echter Fan von Christians Läufen geworden und freue mich schon darauf, demnächst mal wieder mit ihm unterwegs sein zu können.


Zur kompletten Bildergalerie geht es hier lang.


Streckenkarte (Anklicken für Details)


Daten von OpenStreetMap - Veröffentlicht unter CC-BY-SA 2.0
Wetter und Boden
[von Bernd Hegemann]
1°C, Schnee, Wind leicht aus nord-west, Untergrund Waldwege, nass
Ergebnis(se) in 2018
Marathon
14. Bernd Hegemann   SG Gruner+Jahr   4:55:18 Std.   (7:00) 4.M50   47 % /44 %   
Ergebnisse pro Distanz/Disziplin in allen Jahren
Marathon
  Bernd Hegemann   LG Deiringsen   3:27:09 Std.   (4:55) 12.MHK      (pers. Bestleistung) 1990: 6. Winterstrassenlauf (Herten-Bertlich)
  Bernd Hegemann   LG Deiringsen   3:56:31 Std.   (5:36) 1146.MHK   72 %   1991: 6. Shell hanse-Marathon (Hamburg)
210. Bernd Hegemann   CGHH   4:09:22 Std.   (5:55)  M45   88 %  Ein-Mann-Staffel 2014: 29. Haspa Marathon (Hamburg)
14. Bernd Hegemann   SG Gruner+Jahr   4:55:18 Std.   (7:00) 4.M50   47 % /44 %   2018: 5. Sibirien Marathon (Elmshorn)
Ergebnisse im Internet
[von Bernd Hegemann]
Link zur Homepage
[von Bernd Hegemann]
 
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