
Als mich meine Frau vor der Abfahrt in meinem Outfit sah, entfuhr es ihr spontan: "Du siehst ja aus wie Turnvater Jahn". Normalerweise ignoriere ich solche gemeinen Anfeindungen, weil ich genau weiß, dass es im 18. Jahrhundert weder Lycra, noch neongelbe Turnhosen oder bunte Sportschuhe gab und ich mich ab einer bestimmten Temperaturschwelle einfach luftiger und wohler fühle.
Aber so ganz unrecht hatte sie ja nicht, insbesondere wenn sie auf mein Alter anspielt. Und erschwerend hinzu kommt, dass ich mich heute noch deutlich älter gefühlt habe, als der gute
Friedrich Ludwig. Das wiederum lag sowohl an einem internen und einem externen Einfluss.
Der interne Einfluss war, dass als Folge des gestrigen Abendessens mein Bauch nicht in der Konstitution war, wie ich ihn mir für eine flott gelaufene Kurzstrecke gewünscht hätte. Extern war es das schwüle Wetter, was mir ebenfalls zu schaffen machte. Aber zu den Details etwas später.
Eigentlich könnte man meinen, dass 23°C die perfekte Temperatur sein könnte. Besonders im Vergleich zur Vorwoche, wo 10 Grad mehr der Normalfall waren.
Beim Einlaufen durch den Hammer Park kam der angekündigte Schauer runter. Wenigstens wurden wir von einem Gewitter verschont. Aber durch den Regen auf den warmen Boden stieg die Luftfeuchtigkeit steil an.

Zusammen mit Axel machten wir uns auf zum Start, der auf 18:25 Uhr festgelegt war. Nach einer kurzen Ansprache von Utz ging es vorab auf zwei Stadionrunden, bevor wir in den Park abbiegen durften.
Die ersten 400 Meter erspähte ich eine 1:42 Min., gefolgt von einer 3:32 Min. bei 800 Meter. Alles im Rahmen. Wenn ich Tartan unter den Füßen habe, gehts bei mir immer etwas flotter los. Außerdem merkte ich positive Auswirkungen meines Intervalltrainings, was dank der sich erholenden Achillessehnen wieder ganz gut funktioniert.
Aus dem Stadion raus führte die Strecke über ein kleines Wiesenstück, bevor Kilometer 1 erreicht wurde und nun auf Parkwegen gelaufen werden musste. Meine Splitzeit lag bei 4:23 Minuten. Das war etwas zu flott, aber das Intervalltempo hatten sich wohl noch eingeprägt.
Im Park angekommen merkte ich dann meinen Bauch, die drückende Schwüle und dass ich heute nicht so knackig unterwegs sein konnte, wie gewünscht. Im "Labyrinth" war es durch den Regen auf den Steinen ganz schön rutschig, was mir aber nicht so viel ausgemachte.
Der zweite Kilometer sackte demzufolge auf 4:50 Minuten ab und ich versuchte im weiteren Verlauf, das Tempo nicht noch weiter sinken zu lassen, was mir aber nicht immer gelang. Bei Kilometer 2,5, parallel zum Stadion, war der Tiefpunkt mit einer 6er Pace erreicht.

Die zweite Luft kam logischerweise in dem Moment, als ich wieder Tartan unter den Füßen hatte. Da legte sich bei mir im Kopf irgendwie ein Schalter um und die Geschwindigkeit wurde von knappen 5 Minuten/km stetig hochgezogen.
Die 200m-Marke motivierte mich noch mal mehr. Auch wenn die Luft verdammt knapp war und ich mich echt Sch... fühlte. Aber die letzten paar Meter wollte ich jetzt nicht mehr nachlassen.
Weiterhin stetig steigernd sah ich eine 13:08 auf dem Display im Zieleinlauf, was mich ebenfalls puschte. Dummerweise war aber die Zeitanzeige wegen technischer Probleme erst eine gute Minute nach dem Startschuss gestartet worden, was mir in dem Moment nicht klar war. Egal.
So blieb dann letztendlich eine 14:21 Min. stehen, was für die gegebenen Verhältnisse in Ordnung war. Sieben Sekunden im Schnitt schneller als vor dreieinhalb Wochen in
Norderstedt, zwar kürzer heute, aber dafür auch deutlich stickiger. Ich weiß, ich vergleiche gerade Äpfel mit Birnen.
Fazit: die Achillessehnen sind wieder gut belastbar, ich bleibe aber weiterhin im Training vorsichtig und versuche, es nicht zu übertreiben. Hoffentlich klappt es mit den BSV-Meisterschaften Ende August. Aber der Termin scheint zu wackeln, weil es eine Veranstaltungskollision mit dem Jedermann-Zehnkampf gibt. Wir werden sehen...
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Streckenkarte